Vielen Dank für die Rückmeldung

Na dann..
Nach einer ausgiebigen Pause an der Hütte überlegte ich mir noch, an der Stelle in den Fluß zu springen, verwarf den Gedanken aber, weil es hier echt schwierig war hineinzukommen ohne auszurutschen. Wenigstens die Füße konnte ich abkühlen und einer im Wasser zappelnden dicken Raupe das Leben retten.

Nacktwandern in Schweden, es fühlt sich komplett anders an als in Deutschland.Laut Karte sollte der Weg nun an der Hütte vorbei in den Wald und am Fluß entlang führen – aber Pustekuchen. Ein Weidezaun versperrte den ohnehin nicht zu erahnenden Weg, üppige Sträucher und Büsche taten ihr Übriges. Alternativ gab es die Möglichkeit auf der linken Flußseite der Schotterstraße oder auf der rechten Seite einer Art Umleitung zu folgen. Die Anfangs rot markierte Umleitung entpuppte sich natürlich wieder als Sackgasse, Markierungen, Pfad und Wegweiser wichen nach wenigen hundert Metern einem dichten Dschungel, kein Durchkommen. Also ging es wieder zurück auf die Straße am Parkplatz bei der Vindskydd vorbei über die beiden erwähnten Brücken.
Nackt wandern auf Schweden Straßen.Ich erreichte nach ein paar Kilometern die Stelle, an der ich wieder auf die Straße gekommen wäre, hätte ich den Weg ab der Vindskydd gefunden. Hier gab es eine extrem wacklige Brücke über den Fluß und auch hier war der Weg kaum wahrzunehmen – gut dass ich der Straße gefolgt bin, denn hier wäre ich nie und nimmer ohne Machete durchgekommen.

Eine wacklige Brücke und dahinter das Nirvana.Der Weg folgte nun offiziell einem weiteren Stück der Straße um nach etwa einem Kilometer wieder rechts in den Wald abzubiegen. Schwitzend und fluchend folgte ich dem Pfad wieder nach dem alten Muster – Markierungen kaum vorhanden, Pfad unter der dichten Vegetation verschwunden, märchenhafter Trollwald, Mücken, pieksende Sträucher, hüfthohe Preiselbeerbüsche und lediglich die App mit der ungenauen Offlinekarte als Navigationshilfe.

Eindrücke von UnterwegsSchließlich kam ich wieder auf einem Schotterweg heraus, überquerte eine Steinbrücke ohne Geländer und folgte dieser Straße für einen weiteren Kilometer bis ich das Highlight des Tages erreichte. Laut Karte war die Straße eine Sackgasse die bis in eine kleine Waldsiedlung führt, danach führte der Wanderweg wieder in den Wald, aber um es vorweg zu nehmen – die kleine Siedlung – bestehend aus 3 kleinen Höfen – war heute meine Endstation. Offensichtlich werden zwei der Höfe lediglich als Sommerhäuser benutzt, es war aber niemand vor Ort. Auf den mittleren der Höfe wies ein rot markierter Wegweiser hin, also ist der Hof offensichtlich Teil des Wanderweges.
Das Hilghlight des Tages - ein Haus im Wald!Und tatsächlich gab es an der Eingangstüre das bekannte Symbol für Wanderer zu sehen. Äußerlich machte das wunderschöne Schwedenhaus aber einen bemitleidenswerten Eindruck – Moos und Flechten auf dem Dach, hüfthohes Gras, schmutzige Scheiben. Ich öffnete die Türe und ging mit dem gebotenen Respekt hinein. So ist das häufig in Schweden, für Wanderer gibt es eine tolle Infrastruktur, viele Gemeinden richten auf ihren Wegen ältere, nicht mehr als Wohnhäuser genutzte Gebäude als Übernachtungshütten ein, in denen Wanderer gegen einen geringen Obulus schlafen, kochen und ausruhen können.

Einfach, staubig aber gemütlich. Eine typische Wanderstuga, nur leider etwas verwahrlost.Die Häuser sind meist spartanisch aber gemütlich eingerichtet und genau so war es auch hier. Ein großes Zimmer mit ein paar Liegen und einem Kamin, eine Küche ohne fließendes Wasser und mit einem Gasherd, ein weiterer kleiner Raum und ein Plumpsklo auf dem Grundstück – und genau hier offenbarte sich mir der Grund, warum dieser wunderschöne Wanderweg und das hübsche Häuschen nicht mehr gepflegt wurden. Auf einem Schild an der Klotüre prangte in großen Lettern:
Stop! Denna byggnad hålls stängt pga. Covid 19 - Dieses Gebäude ist aufgrund von Covid-19 geschlossen.
Am Klo offenbart sich der Grund für den Zustand des Weges und des Hauses - Corona.
Die Corona-Krise bedeutete scheinbar das (hoffentlich nur vorübergehende) Ende für diesen schönen Weg, die Glashütte und das Häuschen, warum und wieso, darüber lässt sich nur spekulieren, aber vermutlich scheiterte es mal wieder an den Finanzen.


Eine Nacht werde ich hier bestimmt mal verbringen.Ich schaute mich hier noch ein wenig um, schrieb einen Eintrag ins Gästebuch (der letzte Eintrag war über einen Monat her) und verlies diesen verwunschenen Ort wieder. Etwas wehmütig trat ich den Rückweg zum Auto an, dieses mal ausschließlich über die Schotterstraße. Am Ende waren es 17 Kilometer, teilweise durch dichtes Gestrüpp und weglos, aber immer abenteuerlich, spannend und in überwältigend schöner Natur. Die extreme Trockenheit derzeit hat auch Schweden erreicht, die Pegel der Seen und Flüsse sind verschwindend niedrig und die allgegenwärtigen Sümpfe und Moore sind staubtrocken, ein Umstand, der mir das Vorankommen auf diesem Weg wenigstens ein bisschen leichter machte. Auf dem Rückweg entdeckte ich noch an einer Stelle im Fluß zwei Reusen zum Fangen von Flusskrebsen, Tiere, die auch in Schweden auf der roten Liste stehen. Ich nahm mir die Freiheit und schenkte den 4 darin gefangenen Tieren (übrigens echte Flusskrebse, keine Signalkrebse) ebendiese, auch wenn es in Privatgewässern möglicherweise legal ist sie zu fangen. Die Reusen legte ich ans Ufer, damit sie wenigstens für ein paar Stunden oder Tage kein Gefängnis mehr sein konnten. Ich esse keine Tiere, als Anhänger der Freikörperkultur im ursprünglichen Sinne ist das für mich Ehrensache, die langen Gesichter der Reusenleger sind mir dabei egal.
Nach Erreichen des Autos machte ich noch ein paar stimmungsvolle Aufnahmen und fuhr wieder nach Hause.
Traumhafte Lichtstimmung nach zwei herrlichen TagenZwei anstrengende, fordernde, aber auch wunderschöne und spannende Tage ohne auch nur einem einzigen Menschen zu begegnen – Nacktwanderer, was willst du mehr! Tatsächlich habe ich aber nur etwa ein Zehntel dieses aufregenden Weges erkundet – ich muss also wieder kommen. Nackte Grüße aus Småland!


Zum Schluss noch ein paar Aufnahmen der Ruine der Glashütte und der Umgebung