ihr lieben ...
wir können dem gesagten vieles abgewinnen, denn auch wir haben ja vielerlei erfahrungen gemacht.
unser derzeitiges bild ist so:
wir bekennen uns nicht in form von begriffen - wie etwa "outing": das ist mit der bedeutung "homosexuell - achtzigerjahre" besetzt.
unser bekenntnis ist das unaufdriungliche, aufmerksame, freundliche nackte einfach-da-sein.wir sind ja fast unser ganzes leben lang nicht nur "im privaten bereich" nackt - wir drängen das niemandem auf, doch wir verbergen uns nicht.
seit wir wieder in wien leben, seit 18 jahren schon, sind wir auch draußen im halb-öffentlichen bereich (z.b. auf der terrasse) nackt.
ja, und wir sind im auwald, am see nackt. obgleich da kein "fkk-bereich" ausgewiesen, nur eben unausgesprochen tradition ist.
viele, die hier wohnen und schon selber kinder haben, erzählen, dass sie genau hier als kinder nackt das schwimmen lernten.
manche davon haben sich der bekleideten mehrheit angepasst, manche scheinen sich mit der zeit wieder zu erinnern (neu zu besinnen).
die überwiegende mehrheit der leute, die uns begegnen, scheinen aber nicht "das fehlen von bedeckung" zu sehen, sondern uns als menschen:
auf der terrasse gießen wir die pflanzen, bügeln wäsche, lesen bücher und lösen sudokus.
die nachbarn werden freundlich gegrüßt, und wenn sich's ergibt, paar worte gewechselt.
wer uns besucht, dem wird nackt geöffnet, er, sie kann reinkommen - darf, muss sich aber nicht ausziehen.
ich als mann gehe umgekehrt zu nachbarinnen nur in meinem selbst genähten tanga, das ist die ausnahme.
dabei hieß es schon paarmal, dass sie das schätzen, selber seiehen sie ohnehin bei sich allein auch nackt. "bei der hitze"

im freien haben wir - besonders im sommer - nichts als den schlüssel an/bei uns.
begegnen wir leuten, dann grüßen wir - meistens zuerst - und manchmal gibt es ein paar worte, bspw. zum hund, zum wetter, zu einigem müll, den wir immer aus den buchten heraus holen und in der sackgasse zum eimer tragen.
im winter sind wir sowieso die "heroes", denn wer allein oder zu zweit bei 1 oder 2 grad durch den schnee zum schwimmen stapft, muss irgendwie sportlich sein. hinzu kommt, dass wir seit einigen jahren sehr schlank sind - man assoziiert: disziplin.
dass es dazu kommen konnte, lag bzw. liegt daran, dass wir täglich bei jedem wetter zwei mal zu sehen sind: zum sonnenauf- und -untergang.
und dass die geliebten hunde (auch katzen) uns spontan zugehen - wir scheinen den duft nach algen und fisch an uns zu tragen.
von allen, auch frei lebenden tieren ist zu sagen, dass sie am entspanntesten sind, wenn sie uns regelmäßig als "stillen gast" in ihrem revier erleben, der obendrein nackt ist. die bekleideten leute scheinen eher in die kategorie "unkundig-lärmende störenfriede" zu fallen und werden ignoriert oder mit skepsis gemieden. die schwäne fauchen gelegentlich, wenn es ihnen zu bunt wird, wildschweine suchen deckung. bei uns zumeist auch, doch sind sie schon unterwegs, dann wissen sie, wir halten an und lassen sie queren. die biber schwimmen seit heuer still vor und neben uns her, gehen ihren "geschäften" nach. die wenigsten vögel lassen warnrufe los.
denn:
wir sind zurückhaltend, respektvoll (erwarten umgekehrt auch keine zudinglichkeit) und vor allem: stille beobachter.
das reicht aus.



beim hochladen der fotos fällt mir ein:
heuer in innsbruck waren wir zuerst allein in dieser bucht, später kamen andere dazu, die sich sofort auch auszogen:
der inn hatte 13°, wir schwammen immer wieder ein weilchen dort, wo die strömung nicht zu reißend war, dann in den sand an die sonne.
kein thema, ob mit klamotten, keine frage, ob "erlaubt".
die tun's, es ist offenbar angenehm, wir probiern's auch.
dann ist's (für den moment) erlaubt.
ist das ein bekenntnis?wohl ja, wenn auch zunächst ohne worte - allein durch haltung und überlegung, wie es wohl am besten sein soll.
rücksichtnahme ohne anzeichen von rechtfertigung.
das, was ich hier schreibe, ist ja schon die reflektierte darstellung, um die ursprüngliche frage zu beantworten.
wir haben das heuer - gelegenheit günstig: fast 40°C - versuchsweise in unserem mehrfamilienhaus erweitert:
in alle bereiche, die wir bis dann "slebstverständlich bekleidet" betreten hatten - stiegenhaus, lift, keller, garage - gehen wir seither komplett nackt.
nackt bedeutet dabei: frei von reiz- oder sonstiger wäsche, die unbewusst aufmerksamkeit doch nur auf die genitalien lenkt.
bedeutet auch:
immer mit einem gewissen grund: hole wasser aus dem keller, gehe zum auto, um den akku zu laden, komme vom schwimmen - ohne handtuch, dalso erkennbar noch nass.
wir begannen das als ganz bewusstes experiment zu zeiten, als kein kind zu erwarten war,.
doch wir zuckten auch nicht mit der wimper, als wir den ersten leuten - bspw. um 5 uhr früh - unverhofft doch begegneten.
sei es, sie fuhren früh in den urlaub oder versuchten sich unter tage zu kühlen
dasselbe neben dem eingang an den postfächern: immer gab es kurzen gesprächsstoff. immer gab es etwas alltägliches, das einfach "zu tun" war.
und wir taten genau das eben unbekleidet.
auch bisher wäre ja niemand auf die idee gekommen nachzufragen, wieso wir zum post-holen ein weißes t-shirt trügen (usw.).
die gängige, doch verquere verbindung "nackt" mit "sex" fällt hier vollkommen weg - damit auch verborgene formen des sexualneids.
langer rede knapper sinn:wer mit großer selbstverständlchkeit all das, was alle tun, eben nackt tut, wer dabei nicht die leiseste hemmung oder scham oder ein "bedürfnis nach rechtfertigung" zeigt, wird bald als "normale erscheinung" am rande des gewöhnten durchgehen.
dann geht es, wie schon gesagt, um's bügeln, pflanzen gießen, post abholen, bücher lesen, sudokus lösen. auch mal um den hund, die katze des nachbarn, die vögel, die morgens zu uns kommen, ihr futter einzumahnen, all die tiere, die wir in der au gesichtet oder angetroffen haben - seltene, selten so nahe ...
leute, die keinen kontakt mit nackten suchen, werden den blick abwenden.
entrüstet taten nur ein einziges mal vier sehr angeheiterte männer, die wohl lieber, jeder zu zweit, mit damen unterwegs gewesen wären.
andere, die bisher allerlei gewand und technisches zeug (bis hin zu 3 meter langen aufblasbaren paddelacks!) mit sich schleppten, um endlich ins wasser zu können, können nun mit der speziellen erfahrung jedes mal weniger zeug mitbringen.
einige, die uns mehrmals trafen, hatten sich zuletzt sogar während wir redeten ganz ausgezogen: was die beiden tun, das dürfen wir auch.
mag sein, es war ein irrtum aus der unbewussten situation heraus, der sie nicht an unterhose und bh anhalten ließ ...
was ich hier beschreibe, ist keine idylle.es gibt auch hier - wie überall - eine satte zahl an verklemmten leuten, jugendliche, die kichern und hektisch auf ihren smartphones wischen, während sie die zehen ins wasser halten. jugendliche, die an die bucht kommen, um hier "nimm zwei", pringles, gummibärchen zusammen mit bier aus dosen, frizzante und limo trinken, während sie just im dürren gras zigaretten rauchen, zeug inhalieren:
so sind pubertierende. und sie lassen die resate davon einselbstredend rumliegen, wenn sie - schon bei dunkelheit - wieder gehen.
zerrissene hosen, socken, eine brille gar, usb-kabel, gebrauchte binden naben den flaschen und trink-kartons.
am nächsten morgen schaffen wir das weg.
vielleicht können sie sich erinnern und halten sich demnächst damit zurück.
einige jugendliche sind ruhiger, haben dennoch spaß, sehen uns öfters beim schwimmen und rufen bisweilen "hallo" - dürfen wir etwas fragen? ist das nicht super anstrengend, die volle länge hin und retour durchzuschwimmen? - äh ... nein, sehen wir denn so aus?
ja, nein - äh, wie...
am besten trainierst du über ein paar wochen und versuchst dann regelmäßig durchzuziehen: wir machen das seit jahren: zwei mal täglich ein kilometer.
(im winter kürzer, damit uns nichts abfriert.)
ok - anerkennung.
selbst bei pubertierenden: kein fremdschämen! - wir sind ja bei solchen begegnungen nackt.
verletzt sich einer, schwimmen wir hin und schauen uns das an. zum glück nie etwas schlimmes - wir hätten weder verbandszeug, noch handys dabei.
aber wir könnten da sein, ja: gemeinsam hilfe organisieren.
klingt das im vergleich zu euren erfahrungen schlüssig?falls nein - schreibt einfach.
wenn ja, na dann, auf ein neues!
birgit & volkmar aus wien