von FKKAndi » Fr 7. Aug 2026, 12:02
An FKK Boy: du hast selbst schlecht recherchiert, denn die Strecke wurde um 11 Kilometer auf 33 Kilometer gekürzt.
Dann zum Kommentar in der Zeitung:
Stark zusammengefasst ist die Frau Palmer der Auffassung, dass es nicht notwendig wäre, nackt für den FKK Lebensstil zu werben bzw. demonstrieren. Das ist ihre Meinung. Ist ok.
In meinen Augen ist diese Auffassung dahingehend bedenklich, dass sie die Verhältnismäßigkeit der Aktion in Frage stellt.
Grundsätzlich muss sich jeder Demonstrierende über die Verhältnismäßigkeit seiner Handlungen Gedanken machen. Zum Beispiel wurde vor ein paar Jahren ein ehemaliger norddeutscher Umweltminister von wütenden Bauern daran gehindert, von einem Fährschiff an Land zu gehen. Die Bauern wollten damit ihren Unmut deutlich machen. Aber war das verhältnismäßig? Tendenziell nein.
Wie ist das mit dem CSD? Ist der große Umzug mit Lastwagen und wummernder Musik angemessen? Ist es angemessen und vor allem verhältnismäßig, dass queere Menschen mit Kleidchen und Schminke "aufgebrezelt" oder auch nackt für die Rechte der LGBTQ - Community auf die Straße gehen? Sie könnten doch genauso im schicken Designeranzug für ihre Rechte demonstrieren. Aber inzwischen ist bei einer großen Anzahl in der Bevölkerung durchgesickert, dass diese Menschen gerade mit ihren "Verrücktheiten" die Buntheit des Lebens widerspiegeln möchten. Und viele finden das zumindest ok und gucken sich das gern mal an.
Und wir Nackedeis? Wir könnten sicherlich in Badehose oder im feinen Zwirn für Nacktheit demonstrieren. Aber wäre das glaubwürdig? Würde uns nicht jeder bzw. ein Großteil der Unwissenden fragen, weshalb wir denn nicht nackt sind, wenn wir für Nacktheit demonstrieren?
Da liegt die Quintessenz unseres WNBRs. Wir radeln nackt für die nackte Lebensweise und wir tun es nackt für die Glaubwürdigkeit.
Die Frau Palmer hat sich sicherlich nicht viel mit FKK auseinandergesetzt. Sie meint, wir würden unsere Geschlechtsteile zur Schau stellen. Das ist natürlich abwegig. Die FKKler gucken einem anderen Nackten in die Augen und nicht in den Schritt. Und das erwarten wir auch von den Bekleideten (wohlwissend, dass diese meist in den Schritt gucken).
Einen Kritikpunkt kann ich aber in gewisser Weise teilen:
Demonstrieren wir tatsächlich für den Radverkehr und Umweltschutz? Ich denke nicht. Ich reise mit dem Auto inkl. Fahrradträger von Hamburg nach Berlin an. Das macht eine schlechte CO2-Bilanz. Mir geht es um die Lebensweise und um die Selbstakzeptanz des eigenen Körpers (Stichwort Bodyshaming) und natürlich um Toleranz. Schließlich demonstriere ich auch dafür, dass die Gesellschaft von der Sexualisierung schlichter Nacktheit wieder wegkommt. Dass Nacktheit als natürlich angesehen werden möge und nicht unmittelbar mit Sex oder gar Porno in Verbindung gebracht wird. Und dafür ist es meiner Meinung nach sinnvoll, dass wir dafür demonstrieren, dass einem nackten Menschen in die Augen und nicht in den Schritt geschaut wird und dieser nackte Mensch als Mensch wahrgenommen wird.
Die Frau Palmer hat kein Recht, darauf zu bestehen, dass alle Menschen mit Hose herumlaufen. Nein, sie muss es auch aushalten, dass es Menschen gibt, die gerne hüllenlos sein möchten. Genauso muss ich akzeptieren, dass andere Menschen lieber in grauen Anzügen oder schrillen Klamotten herumlaufen. Wenn Frau Palmer das irgendwann begreift, dann kann ich sehr gut damit leben, dass sie für sich selbst entscheidet, sie möchte nicht nackt herumlaufen oder radfahren.
Wir sehen uns am Sonntag
Andi