Eule hat geschrieben:Woran bitte schön soll ich nun eine Sexualisierung der deutschen Gesellschaft in den 90ger Jahren fest machen? Und wie soll ich bei dieser miserablen Datenlage nachweisen, dass eine Sexualisierung einen Rückgang zur FKK bewirkt hat? Woran kann ich erkennen, dass das "Nackt-Sein" als solches hier einen Schaden oder eine Beeinträchtigung erlitten hat? Kannst Du mir hier belastbare Daten liefern, die diesen Rückgang zum "Nackt-Sein" und somit auch zur FKK in den 90ger Jahren eindeutig belegen? Bedenke, weder Aria und selbst CL ist mit einem äußerst stupiden Argument gekommen um die Sendung Tutti Frutti als einen Beweis der Theorie der Sexualisierung der Gesellschaft heranzuziehen. Also, ich bin auf deine Argumentation sehr gespannt.
Nein ich kann dir keine "belastbaren Daten" liefern. Ich kann hier nur meine Meinung kundtun. Im übrigen kannst du mir auch keine belastbaren Daten dazu liefern, das es nicht so war. Nur weil du das nicht so gesehen hast, muss es ja nicht so gewesen sein.
Bei Wikipedia gibt es ja eine schöne Beschreibung, was "Sexualisierung" überhaupt bedeutet:
Wikipedia hat geschrieben:Als Sexualisierung bezeichnet man dem Wortsinne nach
...
- nach Martha Nussbaumers Sex and Social Justice (dt. Geschlecht und soziale Gerechtigkeit) eine Form der sozialen Hierarchisierung, wenn Sexualität und Geschlecht dazu benutzt werden, Personen (nicht nur, aber insbesondere Frauen) zum sexuellen Objekt zu degradieren und über Sexualität Machtansprüche zu kommunizieren und durchzusetzen.
Das entspricht in etwa dem, was ich nach der Wende glaube erlebt zu haben. Nicht nur durch die Freigabe von Pornografie Ende der 70-er und deren massenhafte Verbreitung von Pornografie per Videokassette (ab Ende der 70-er) und per Internet (ab Mitte der 90-er), sondern auch durch die privaten Fernsehsender (Mitte der 80-er) wurde dieses Frauenbild zum dominierenden Bild in der Bundesrepublik.
(Gegenüber z.B. der Frau als Mutter und Hausfrau)
Die Diskussion darüber bzw. die Gegenreaktion war z.B mit Gründung der Emma (1977) in den 80-er Jahren angelaufen und ist seitdem auch nicht mehr abgeklungen. Diese Diskussion, sowie natürlich auch die Reaktionen der Politik auf die Entwicklung führte allerdings nicht zu einem Abflauen der Pornowelle, sondern zu deren Etablierung als Wirtschaftszweig.
Bei meiner Krankenkasse kann ich folgendes nachlesen:
1. Alle 39 Minuten wird in den Vereinigten Staaten von Amerika ein neuer Porno gedreht
Damit stammen die meisten Pornoproduktionen eindeutig aus den USA und erwirtschaften dort sogar einen größeren Umsatz als Hollywood-Filme.
2. 1,36 Millionen Stunden Videomaterial wurden 2019 allein auf der Pornoseite Pornhub hochgeladen
Würde man nur die Filmchen schauen, die 2019 neu auf Pornhub gestellt wurden, würde das rund 169 Jahre dauern.
3. 12,6 Millionen Euro Umsatz wird pro Tag mit Internet-Pornografie gemacht
Gemessen an ihrem Umsatz kann es die Pornoindustrie in Deutschland mit der Automobilbranche aufnehmen.
4. Kinder sind im Durchschnitt elf Jahre alt, wenn sie das erste Mal einen Porno sehen
Bei Mädchen ist der Erstkontakt zu Pornografie allerdings in 60 Prozent der Fälle ungewollt, bei Jungen bis zu 37 Prozent.
5. 43 Prozent, also fast die Hälfte aller Internet-User weltweit, schauen sich Pornoseiten an
70 Prozent dieses Pornokonsums findet werktags zwischen neun und 17 Uhr statt - also während der Arbeitszeit.
6. 20 Prozent der Männer geben zu, sich auf der Arbeit Pornos anzuschauen
Frauen sind da noch zurückhaltender: 13 Prozent gestehen auch an ihrem Arbeitsplatz nach erotischen Inhalten zu suchen.
7. Pro Sekunde werden weltweit mehr als 30.000 Pornoclips online angesehen
Allein die Pornoseite Pornhub verzeichnete im Jahr 2019 rund 115 Millionen tägliche Besuche.
8. Männer schauen durchschnittlich 70 Minuten pro Woche Pornos
Das ist das Ergebnis einer Umfrage, an der insgesamt 3.267 Männer vor allem aus Belgien und Dänemark teilgenommen haben. Ein Teilnehmer gab an wöchentlich bis zu 26 Stunden Pornos zu konsumieren.
9. Deutschland ist Weltmeister im Pornoschauen
Deutschland sorgt für 12,4 Prozent des weltweiten Porno-Traffics im Internet. Zum Vergleich: Der globale Länderdurchschnitt liegt bei 7,7 Prozent. Übrigens, die meisten Pornos hierzulande werden in Hamburg geschaut. In keinem anderen Bundesland ist der Konsum pro Kopf so hoch wie in der Hansestadt.
10. Auf Pornhub wird am meisten nach "Amateur" gesucht
Aber auch außerirdischer Sex steht bei Pornhub hoch im Kurs: Der Suchbegriff "Alien" landete 2019 auf dem zweiten Platz. Übrigens, die Männer und Frauen hierzulande bleiben gerne unter sich: "German" bzw. "deutsch" sind die Top-Suchbegriffe aus Deutschland.
https://www.tk.de/techniker/magazin/lif ... ?tkcm=aaus
Ich bin der Meinung, dass die Grundlage für diese Zahlen in den 80-er Jahren gelegt wurde, wie oben begründet.
Und ich bin auch der Meinung, dass sich genau dieser sexuelle Blick erhalten und verfestigt hat, was ich vor allem in den 90-er hier im Osten erlebt habe.
Und ich bin felsenfest der Meinung, dass sich dieser Blick schon allein durch die schiere Masse an Material, negativ auf die Entwicklung der eben betont asexuellen FKK ausgewirkt hat. Diesen Einfluss kann ich nur mit Scheuklappen negieren.
Aber mit Zahlen und Studien beweisen kann ich das natürlich nicht.