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Die „heimliche Zensur“ oder „Zensur durch die Hintertür“

BeitragVerfasst: Sa 11. Apr 2026, 13:54
von Otti
Die „heimliche Zensur“ oder „Zensur durch die Hintertür“
Für mich ist bereits das weglassen (verschweigen) von Informationen und/oder Bildern Zensur. Und dies begegnet mir inzwischen immer öfters. Wenn ich zum Beispiel den Künstler zu einem Aktbildnis (egal ob fotografiert oder gemalt) per „Rückwärtssuche“ erfahren möchte, erscheint sehr häufig die Meldung, dass dies wegen der Nacktheit nicht möglich wäre.
Oder ich finde den Künstler, aber das gesuchte Bild wird auf der entsprechenden Wikipedia-Seite nicht gezeigt, oder anders formuliert: verschwiegen. Wie zum Beispiel kürzlich das nackte Kind, welches in einem Busch liegt, vom Künstler Hugues Merle. Es gibt einen Wikipedia-Eintrag zu dem Künstler, aber eben dieses Bild ist auf der Wikipedia-Seite nicht zu sehen. Dies sieht man auch bei zahlreichen anderen Künstlern, dass Nackt-Bildnisse nicht gezeigt werden.
So bin ich zum Beispiel auf der Suche nach Fotografien der Künstler Al Vandenberg und Edith Tudor Hart, um diese Im FKK-Museum vorstellen zu können. Die Künstler selbst findet man, aber nicht deren Akt- und FKK-Bilder, zumindest nicht bei allen Künstlern.
Das FKK-Museum war ja auch schon betroffen, hatte ich doch zu dem Studentendasein im Amerika der frühen 1960er Jahre einen Beitrag gehabt, wo es darum ging, dass die Studenten der Kunstakademien selbst kein Geld hatten, um zum Beispiel richtige Modelle zu engagieren. Ein Professor kam auf die Idee, so genannte „Anatomy-Art-Photos“ zu erstellen, jeweils ein nacktes Modell in einer Pose von allen Seiten fotografiert. Dazu hatte mir damals die Academy of Art University aus San Francisco Bilder gespendet. Ich empfand als es einen interessanten Beitrag im FKK-Museum, nur der Jugendschutz war dagegen, weil es sich um nicht erlaubte Posen-Darstellungen handelte, Problem: das abgebildete Modell war ein nackter Junge von ca. 6 Jahren. Entstanden waren diese Fotoserien 1962, da kann man sich leicht ausrechnen, wie alt das „Kind“ heute wäre (so nebenbei).
Für mich alles schon Zensur, bzw. auch schon Geschichtsfälschung – wie seht Ihr das?

Re: Die „heimliche Zensur“ oder „Zensur durch die Hintertür“

BeitragVerfasst: Sa 11. Apr 2026, 14:47
von Arno Nühm
Das bestimmte Bilder nicht im Netz verfügbar sind kann viele verschiedene Ursachen haben - Copyright des Fotografen, Bildrechte der besitzenden Institution (insbes. bei Gemälden), Jugendschutz, Persönlichkeitsrechte der abgebildeten Person(en)... Und das alles auch noch je nach Land unterschiedlich.
Man kann sich sicherlich über einiges davon streiten, aber als Zensur oder gar "Geschichtsfälschung" würde ich das wenigste davon sehen.

A.

PS. Bzgl. Hugues Merle meinst Du nicht zufällig "Afternoon Dreaming": https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Afternoon_Dreaming_by_Hugues_Merle,_c._1865.jpg ?

Re: Die „heimliche Zensur“ oder „Zensur durch die Hintertür“

BeitragVerfasst: Sa 11. Apr 2026, 16:51
von Bingo
@Otti

Minderheiten haben es immer schwer, in den Medien Gehör, Aufmerksamkeit und ggf. Zustimmung zu finden. Die populären Medien sind vornehmlich Wirtschaftsunternehmen und orientieren sich mit ihrem Angebot an der Mehrheit.

Die Freunde der Freude an der Nacktheit in der Öffentlichkeit - z.B. die sogenannten FKKler, Naturisten, Nudisten usw. – sind eine sehr kleine Minderheit. Und diese verstecken sich dann vornehmlich hinter Zäunen und Hecken der FKK-Vereine, in FKK-Resorts, an explizit ausgezeichneten FKK-Badestränden usw. Dieses „Verstecken“ symbolisiert der sonstigen Öffentlichkeit:

Nacktheit in der Öffentlichkeit ist mindestens suspekt; wenn nicht sogar verboten.

Darüber hinaus wird sich zur Zugehörigkeit der fraglichen Minderheit möglichst nicht bekannt und – z. B. auch hier – fast nur unter Pseudonymen diskutiert. Wenn eine sehr kleine Minderheit Anerkennung, Aufmerksamkeit und ggf. sogar Zustimmung in den erwähnten Medien finden will, muss sie sehr viel mehr dafür tun! Sozialadäquate, rechtlich erlaubte Nacktheit muss sichtbar sein!
Ein Beispiel wie wenig die Betroffenen tun, wenn einer die Initiative ergreift:

Seit vielen Monaten gibt es hier:
Aufruf: Nacktsein ist frei sein – jetzt unterschreiben. https://nudare-aude.com/aufruf-nacktsein-ist-frei-sein/
Zur Beteiligung an diesem Aufruf ist sogar in den fraglichen Foren geworben. Was ist das Ergebnis der Bemühung von Ulrich Wolfstädter? Gerade einmal 359 namentliche Unterzeichner gibt es bis heute. Ein Jammer-Ergebnis der betroffenen Community.
Wenn diese Community mehr in den Medien will, als richtigerweise beklagt wird, muss sich auch die Sprache dieser Community zum fraglichen Thema: „Nacktheit in der Öffentlichkeit ist erlaubt“ ganz anders, als häufig anzutreffen, äußern.
Dazu mein Angebot:
https://drive.google.com/file/d/1wDtNix ... drive_link

Axel Geertz

Re: Die „heimliche Zensur“ oder „Zensur durch die Hintertür“

BeitragVerfasst: Sa 11. Apr 2026, 21:32
von Hannes 2.0
Ich sehe das ähnlich wie Arno.
Als Zensur würde ich das primär nicht verstehen, eher als Vorsichtsmaßnahme gegen Abmahnungen und
hohen Lizensgebühren an die Rechteinhaber der Bilder.
Da ich beruflich mit urheberrechtlich geschützten Bildern zu tun habe, weiß ich, wie vorsichtig viele unterschiedliche Medien sind,
wenn es darum geht, Bilder und Fotos zu zeigen, bei denen die Nutzungsrechte nicht eindeutig definiert sind.

Re: Die „heimliche Zensur“ oder „Zensur durch die Hintertür“

BeitragVerfasst: So 12. Apr 2026, 14:42
von Sven.TH
Abgesehen davon sollte man die grundlegende Funktionsweise des Internet nicht vergessen. Webseiten - und dazu zählt auch Wikipedia - sind weltweit verfügbar (bis auf wenige Ausnahmen). Hier in Deutschland mag das Thema Nacktheit recht offen betrachtet werden. Das gilt aber bei Weitem nicht für alle Länder. In vielen anderen Ländern wäre die Abbildung einer nackten Person absolut inakzeptabel. Auch der Jugendschutz sieht in vielen Ländern komplett anders aus. Das mag einer kleinen privaten Seite so ziemlich egal sein. Größere Seiten würden es aber höchstwahrscheinlich bevorzugen auch weiterhin weltweit sichtbar zu bleiben und nicht in einer Ländersperre zu landen.
Natürlich könnte man Inhalte auch regional unterschiedlich anbieten - der Aufwand wäre aber deutlich höher als einfach auf bestimmte Inhalte zu verzichten.