
Ich war diese Tage erneut "im Adams-Kostüm" bzw. "im Natur-Kleid" am Königssee unterwegs - habe tagsüber an zwei Tagen je eine längere historische (d.h. aufgelassene und heute eher zugewachsene) Route "gekraxelt" (T5) - und gestern Morgen auf dem Weg von meinem Übernachtungsort zum Einstieg der Tour hat mir "das Leben" quasi "einen Streich" gespielt:
An einem Werktag und noch bevor das erste (Touristen-)Boot die Halbinsel "Bartholomä" erreicht, bin ich einen sonst häufig begangenen Wanderweg (Hüttenzustieg), der hier überwiegend in Serpentinen verläuft, abwärts gegangen. Da das Nacktwandern bekanntlich "süchtig macht", hatte ich natürlich irre Lust auf Luft und vorab eine "Risiko-Abschätzung" hinsichtlich möglicher Begegnungen am frühen Morgen angestellt - und bin zum Entschluss gekommen, dass eine (textile) Begegnung auf diesem "öffentlichen" Wegstück um diese frühe Zeit (ca. 7:30-8 Uhr) eigentlich unmöglich ist. Außerdem ist der Pfad von oben durch die lichten Bäume hindurch gut einsehbar, die "geraden" Anteile durchaus "mit Überblick" werden nur von wenigen leichten Kurven unterbrochen.
Nun, meine Abschätzung lag bei (nahezu) 100% Sicherheit (quasi 0% "Restrisiko"), dort um diese Uhr-Zeit allein unterwegs zu sein und damit kam mir auch die Überlegung, meine "Notfall-Short" ganz in den Touren-Rucksack zu verpacken (eben wie ich es bei meinen "Abseits-Routen" auch mache). Doch so ganz habe ich meinen "inneren Feigling" noch nicht vertrieben und so steckte ich diese wenigstens griffbereit seitlich an den Rucksack. Denn wenn zu erkennen ist, dass mir jemand entgegen kommt, möchte ich doch noch "rechtzeitig" hinein schlüpfen...
So bin ich also bereits einen Großteil des Weges hinab zum See unterwegs und da das nackt Herumlaufen bereits eine angenehme Gewohnheit geworden ist, bin ich sehr entspannt ("im Flow") und nehme mein Nacktsein (hier Schuhe, Stirnband und Rucksack) gar nicht mehr wahr. Gerade überquere ich eine Brücke über einen rauschenden Bergbach, ein langes Vierkantholz quer über das Wasser etwas unterhalb zieht meine Aufmerksamkeit auf sich, als

wenige Meter vor mir - der Weg hat hier eine kleine "Kuppe-Kurven-Kombination" - ein junges Mädel mit geschätzt 20-25 Jahre auftaucht.

Oh sh.., hinter ihr noch ein etwa gleich altes Mädel und gleich danach noch eines - sie sind zu dritt im Aufstieg, und sollten sie sich unterhalten haben, konnte ich dies durch das Rauschen des Wassers nicht hören.
Klar, einen Sekundenbruchteil hatte ich den zurecht gelegten Gedanken, mir die Hose wenigstens vor meine Blösse zu halten und die Hand ging sicher bereits in Richtung zur "Rettungshose", doch ebenso schnell war die Erkenntnis da, dass alles handeln nun nur noch viel lächerlicher wirken muß... Für jede verbergende Reaktion war es jetzt schlichtweg zu spät! „Dreifach-Wumms“.
Ich schaue im Vorbeigehen in ihre Gesichter, sie haben mich natürlich wahrgenommen, versuchen mich aber nicht anzuschauen, sondern fokussieren sich schweigend auf den ebenen Weg vor ihnen. Ich sage im Vorbeigehen überraschend locker "Guten Morgen, ihr seid heute aber auch schon früh unterwegs." - keine Antwort. Wenige Sekunden später, höre ich hinter mir, wie sie förmlich gleichzeitig in ein "Huh-was-war-das-Gekicher" ausbrechen. Ohne mich umzudrehen habe ich nun die kleine "Kuppe-Kurven-Kombination" passiert, bin damit aus ihrem Blickfeld - und lasse ihnen ihre Freude...

Wow, was war dies für ein "gemeiner" Zufall! Was machen ausgerechnet diese drei jungen Mädels an einem Dienstag-Morgen hier? Wie nur können sie um diese Zeit an diesem Ort sein (eigentlich keine Übernachtungsmöglichkeit in "Bartholomä" möglich)? Wieso sind sie nicht im Studium oder im Job oder..., noch sind in Süddeutschland doch keine Ferien...
Wäre ich mittig "normal" bedeckt gewesen - wenn es die Schatten-Sonne-Kombination zuläßt, bin ich immer noch "oben ohne" - hätte ich definitiv kurz angehalten und diese Frage(n) an das Trio gerichtet - und sicher von ihnen auch eine freundliche und schlüssige Antwort erhalten.
Doch die nächsten Minuten bin ich völlig "geflasht", im Kopf "rattert" es, wie nur konnte dies passieren!! Es war für mich ein Moment des völligen Kontrollverlusts - und doch hat es ganz und gar nicht "Weh getan". Ich versuche mir dennoch diese Situation zu erklären... es gibt keine Antwort - ich muß wohl akzeptieren, dass mir hier das Leben oder das Universum oder was-auch-immer förmlich "einen Streich" gespielt hat...