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Kommentar zur Nacktdemo in Berlin am 9.August 2926

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Kommentar zur Nacktdemo in Berlin am 9.August 2926

Beitrag von Nudehiker » Fr 7. Aug 2026, 08:10

Berliner Zeitung vom 7.8.2026:

https://www.berliner-zeitung.de/article ... t-10269571

Nackt-Demo in Berlin: Wenn die Stadt mit heruntergelassener Hose dasteht
Der World Naked Bike Ride am 9. August ist vor allem ein PR-Spektakel auf Kosten unfreiwilliger Zuschauer. Ein Kommentar.

tellen wir uns kurz vor, jemand zieht sich morgens in der U8 aus. Nicht symbolisch, nicht metaphorisch – einfach so, zwischen Gesundbrunnen und Alexanderplatz, komplett nackt. Vermutlich würde niemand ehrfürchtig fragen, ob der Mann gerade gegen Fast Fashion demonstriert. Die Fahrgäste würden Abstand nehmen, die BVG-Sicherheit rufen und hoffen, dass die nächste Station schnell kommt.

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Natürlich ist bloße Nacktheit, auch wenn sie einem aufgedrückt wird, keine Straftat. Paragraf 183a des Strafgesetzbuches beispielsweise greift nur bei öffentlichen sexuellen Handlungen.

Nicht sexuell motivierte Nacktheit kann jedoch, abhängig von Ort und Umständen, als Belästigung der Allgemeinheit nach Paragraf 118 des Ordnungswidrigkeitengesetzes geahndet werden. Zudem gilt in der U-Bahn das Hausrecht der BVG. Sprich: Niemand kann überall selbstverständlich blank ziehen und erwarten, dass die Umgebung sich freut und Beifall klatscht.

Nackte radeln 33 Kilometer durch Berlin
Am Sonntag, dem 9. August, funktioniert die Sache nun anders. Um 10.30 Uhr soll im Mauerpark Berlins erster vollständig nackter World Naked Bike Ride starten. 33 Kilometer geht es unter anderem zum Brandenburger Tor, zum Reichstag und zur East Side Gallery. Das Absurde daran: Sobald mehrere Menschen auf Fahrräder steigen, eine Demonstration anzeigen und ein paar politisch wohlklingende Begriffe auf ihre Nacktheit kleben, wird aus der Zumutung ein „historischer Meilenstein“.
Die Veranstalter werben für Toleranz, Selbstakzeptanz, Naturverbundenheit, Umweltschutz, Inklusion, sichere Straßen und Nacktkörperkultur. Mehr geht kaum. Es ist ein All-inclusive-Buffet der guten Absichten: Für jedes nackte Hinterteil liegt ein moralisch unangreifbares Anliegen bereit.

Wer die Veranstaltung albern oder sogar ziemlich anstößig und unzumutbar furchtbar findet, steht damit beinahe automatisch gegen das Klima, die Vielfalt, die Sicherheit von Radfahrern und vermutlich auch gegen den menschlichen Körper an sich. So baut man sich Kritikschutz aus Schlagworten.

Manchen Satz muss man zweimal lesen
Die Organisatoren versichern vorsorglich, die Nacktheit habe „keinen sexuellen Bezug“. Intimschmuck und Fetisch-Utensilien müssten draußen bleiben, schließlich solle die Fahrt „familienfreundlich“ sein.

Man muss diesen Satz zweimal lesen: Erwachsene präsentieren auf 33 Kilometern ihre Genitalien im öffentlichen Raum und erklären das Ganze zum Familienprogramm, weil sie vorher das Fetischzubehör aussortiert haben.

„Familienfreundlich“ ist jedoch kein Gütesiegel, das man sich selbst ausstellt Jo, und eine Pressemitteilung ist kein digitaler Sichtschutz. Die Teilnehmer dürfen ihre Nacktheit als vollkommen unsexuell empfinden.

Sie können aber nicht zugleich den Passanten vorschreiben, wie diese den ungefragten Anblick wahrzunehmen haben. Der öffentliche Raum, weder der Mauerpark oder das Regierungsviertel, ist kein abgeschlossenes FKK-Gelände, an dessen Eingang jeder Besucher bewusst zugestimmt hat. Wer ihn zur Bühne macht, kann das zufällige Publikum nicht anschließend per Disclaimer entmündigen.

Berliner werden ungefragt zum FKK-Publikum
Dort stehen Menschen, die nicht auf „Teilnehmen“ geklickt haben: Besucher des Flohmarkts, Familien, Touristen und Passanten. Sie werden ungefragt zum Publikum. Das verletzt noch kein Grundrecht.

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Niemand hat Anspruch darauf, dass ihm die Großstadt jeden ungewohnten Anblick erspart. Auch schädigt ein nackter Körper ein Kind nicht automatisch; moralische Panik ersetzt kein Gesetz. Doch die Interessen unfreiwilliger Zuschauer lösen sich nicht auf, nur weil die Nackten ihre Absichten für edel erklären. Der öffentliche Raum ist kein Wellnessbereich mit Polizeibegleitung.

Die Schieflage bleibt: Wer allein nackt durch eine Fußgängerzone läuft, kann wegen Belästigung der Allgemeinheit belangt werden. Wer dasselbe organisiert und mit politischer Botschaft tut, kann sich auf die Versammlungsfreiheit berufen. Das ist juristisch nicht zwingend widersprüchlich, weil Recht den Kontext bewertet. Für normale Menschen wirkt es trotzdem wie die wundersame Vermehrung der Toleranz durch ein Demonstrationsmotto.
Eine Badehose würde keine Meinung verbieten
Andere Behörden und Gerichte haben Nacktradel-Aktionen in der Vergangenheit untersagt oder Mindestbekleidung verlangt. Berlin entschied sich für eine besonders freiheitliche Linie. Das 2021 in Kraft getretene Versammlungsfreiheitsgesetz verzichtet bei Beschränkungen auf das Schutzgut der „öffentlichen Ordnung“. Nach Paragraf 14 braucht es eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit; bloße Verstöße gegen Moral- oder Anstandsvorstellungen reichen nicht. Vieles spricht deshalb dafür, dass die Polizei nach geltendem Recht korrekt handelt.

Aber zwischen Totalverbot und Totalentblößung liegt ein Kleidungsstück. Der Gesetzgeber darf prüfen, ob die demonstrative Zurschaustellung des Genitalbereichs bei Aufzügen eine enge und verhältnismäßige Regel braucht. Eine Badehose würde keine Meinung verbieten, keinen Fahrradprotest verhindern und niemandem die Forderung nach sicheren Radwegen nehmen. Beschränkt würde allein die Form.

Genau das ist das Nackte an diesem Protest
Der World Naked Bike Ride hat ohnehin ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wer für sichere Radwege demonstriert, kann das bekleidet tun. Wer für Klimaschutz wirbt, spart ohne Hose kein messbares Gramm CO₂. Und wer Körpervielfalt zeigen will, muss die Innenstadt nicht zum FKK-Strand mit Ampeln erklären. Die Nacktheit ist kein Argument, sondern der Werbeträger. Ohne sie wäre es eine weitere Fahrraddemo. Mit ihr gibt es Fotos und Schlagzeilen. Das ist Marketing – noch kein Fortschritt.

Vielleicht wäre eine Badehose deshalb der ehrlichste Faktencheck für diese Demonstration. Zieht sie an – und schaut, was von der politischen Botschaft übrig bleibt. Vermutlich 33 Kilometer Radweg, ein Bündel austauschbarer Schlagworte und kaum noch eine Schlagzeile. Genau das ist das Nackte an diesem Protest.

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Re: Kommentar zur Nacktdemo in Berlin am 9.August 2926

Beitrag von Wendelin1971 » Fr 7. Aug 2026, 08:54

Ich finde diesen Kommentar abstoßend und maximal ablehnend und polemisch.
Mir fehlen die Worte, um meine Ablehnung dieses Lommentares auszudrücken.

 
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Re: Kommentar zur Nacktdemo in Berlin am 9.August 2926

Beitrag von Trixi » Fr 7. Aug 2026, 09:19

Schonmal etwas von Meinungsfreiheit/Pressefreiheit gehört?

Aber mal wieder typisch. Diejenigen die ständig und laut nach Toleranz brüllen sind auf der anderen Seite die intolerantesten Menschen.
Nicht jeder kann sich mit öffentlicher Nacktheit/FKK anfreunden. Andersdenkende bzw. andere Meinungen werden daher gleich wieder mit Worten wie "abstoßend" oder "polemisch" abgewatscht.

Lerne einfach mal auch andere Meinungen/Ansichten zu akzeptieren.

 
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Re: Kommentar zur Nacktdemo in Berlin am 9.August 2926

Beitrag von Nacktläufer » Fr 7. Aug 2026, 09:21

Berlinskaya Prawda eben. Das Vollzitat des Artikels ist hier fehl am Platz.

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Re: Kommentar zur Nacktdemo in Berlin am 9.August 2926

Beitrag von NaturKraxler » Fr 7. Aug 2026, 09:37

Tja, wie ist immer wieder hier im Forum zu lesen:
Eine Demokratie hat andere Meinungen auszuhalten ("Toleranz").

Nun, dies ist eine andere Meinung (Kommentar) einer Frau, die vermutlich wenig in ihrem Leben mit "FKK" in Berührung gekommen ist, geschweige denn eigene Erfahrung gemacht hat, und beruflich an einer Stelle sitzt, ihre Meinung hierzu relativ leicht kund zu tun.

Das ist genau so in Ordnung und in ihren Argumenten bzw. ihrer Sichtweise auch mit Wahrheit behaftet - wenn "wir" aus der "Blase unserer FKK-Überzeugung" heraus treten und versuchen einen allgemeineren Blick auf das Thema zu werfen.

Dass Aufmerksamkeit und Diskussion entstehen wird, war eigentlich klar - und sicher auch beabsichtigt - und dass nicht alle Beifall klatschen doch sicher auch.
Natürlich ist solch ein skeptischer Kommentar in einer großen Zeitung weniger "Werbung" und grundsätzlich ist zu hoffen, dass die Leser/innen nicht einfach "aus Bequemlichkeit" in "Bild-dir-deine-Meinung"-Manier darauf aufspringen.

Die voran gegangenen Diskussionen der (langjährigen) WNBR's aus den anderen Ländern kennen wir nicht, doch mein Eindruck ist, dass heute kaum mehr "ein Hahn danach kräht", die Veranstaltungen finden statt, die Teilnehmer/innen haben ihren Spass und die (unfreiwilligen) Zuschauer wohl mehrheitlich auch.

Nun gilt es respektvoll die Argumente für die "natürliche Nacktheit in der Natur" darzustellen - und ja, da darf auch "das Geständnis" dabei sein, dass diese nackte Radfahrt durch Berlin's City eine Form des Sichtbar machen, der Werbung, ist.

Hier ist ein guter Ansatz: taz: Berlin > Radfahren in Berlin > WNBR (7.8.2026 - 6:00 Uhr)
World Naked Bike Ride
„Es geht nicht um Selbstdarstellung“
Die erste Nackt-Fahrraddemo Deutschlands findet am Sonntag in Berlin statt. Organisator Ralf Sprenger sagt, wieso es dabei vor allem um Selbstakzeptanz geht.

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Re: Kommentar zur Nacktdemo in Berlin am 9.August 2926

Beitrag von regenmacher » Fr 7. Aug 2026, 10:10

Ja mei - es ist halt ein Kommentar - in dem glücklicherweise sogar einiges an Rechtsgrundlagen zur Demo erläutert ist. Sooo viel schlimmes kann ich nicht erkennen. Wenn sie der Meinung ist, man könnte ja auch mit einer gemeiner Badehose/Badebekleidung für naturistisches Leben demonstrieren, dann hat sie ja sogar Recht. Genauso viel Recht wie diejenigen, die dies ohne Bekleidung tun wollen. Also - was soll's.

(Nebenbei: Ich habe auch neutral formulierte Ankündigungen in der örtlichen Presse gelesen ).

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Re: Kommentar zur Nacktdemo in Berlin am 9.August 2926

Beitrag von Wendelin1971 » Fr 7. Aug 2026, 10:21

Trixi hat geschrieben:Schonmal etwas von Meinungsfreiheit/Pressefreiheit gehört?

Oh ja, das hier ist nun mal MEINE Meinung und die scheint dir, Trixi, nun wiederum nicht zu passen. Eigene Nase?

Ich habe es vielleicht nicht deutlich genug gemacht, aber ich kritisiere nicht den Inhalt, sondern die Wortwahl. Ich höre - ja, genau, ich lese! - nur Worte des Hasses und eher der Diffamierung, als sachliche Kritik oder begründete Ablehnung des Autors/der Autorin.

Was wäre, wenn ein solcher Kommentar über eine Veganer Demo, die blutverschmiert und mit Schlachthausfotos, durch Berlin marschieren und Fleischesser als "Mörder" bezeichnen würde?

Aber, hier geht es ja um ekelhafte, nackte Menschen, die den Anderen ja ihre Geschlechtsteile unter die Nase halten (wohl in masturbatorischer Absicht).
Das lese ich in dem Kommentar.

 
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Re: Kommentar zur Nacktdemo in Berlin am 9.August 2926

Beitrag von WreckBeach » Fr 7. Aug 2026, 10:28

Ja. Nicht der Artikel, den ich gerne lese, aber ich akzeptiere, dass die Autorin eine andere Meinung zu Nacktheit und FKK hat als ich selbst und werde am Sonntag dafür demonstrieren, mehr Nacktheit zu akzeptieren, auch wenn man das in dem Moment nicht passend/üblich oder dem eigenen Gusto entsprechend findet.

 
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Re: Kommentar zur Nacktdemo in Berlin am 9.August 2926

Beitrag von WreckBeach » Fr 7. Aug 2026, 10:45

Und noch ein Nachtrag: Dass ich damit auch gegen Fast Fashion, für Klimaschutz und Verkehrssicherheit demonstriere, ist ein Mitnahmeeffekt, kein Feigenblatt. Diese Sachen sind mir auch wichtig; aber zu einer Demonstration in Berlin nur dafür würde ich nicht gehen.

 
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Re: Kommentar zur Nacktdemo in Berlin am 9.August 2926

Beitrag von fkk-boy » Fr 7. Aug 2026, 11:29

Von der Redakteurin schelcht recherchiert: die 33 km wurden schon längst auf 11 km reduziert.

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