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Geschichte des Naturismus in Spanien und auf den Kanaren

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Geschichte des Naturismus in Spanien und auf den Kanaren

Beitrag von Hans H. » Mi 20. Mai 2026, 23:57

Hier wieder ein Beitrag, der von den "Naturaten" auf Teneriffa veröffentlicht wurde. Diesen stelle ich in eine neues Thema ein, damit der Titel in der Übersicht sichtbar bleibt.

Link zum Original: https://naturaten.wordpress.com/2026/05/17/historia-del-naturismo-en-espana-y-canarias/
Nachfolgend eine Übersetzung (wieder zuerst elektronisch übersetzt, aber dann an vielen Stellen nachbearbeitet). Text in kursiver Schrift sind eingefügte Kommentare.

Geschichte des Naturismus in Spanien und auf den Kanarischen Inseln
Veröffentlicht am 17.05.2026 von Naturaten

Der Naturismus in Spanien blickt auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück und hat sich zu einer sozialen, kulturellen und politischen Bewegung entwickelt, die für körperliche Freiheit, Gesundheit und ein respektvolles Zusammenleben mit der Natur eintritt. Innerhalb dieser allgemeinen Geschichte nehmen die Kanarischen Inseln einen besonderen Platz ein: Ihr Klima, ihre gesellschaftliche Offenheit und ihre frühe FKK-Bewegung machten den Archipel zu einem Pioniergebiet.

Ursprünge: Gesundheitsorientierte Weltanschauung (*), intellektuelle und politische Reformbewegung (**) und erste Vereine (Ende des 19. Jahrhunderts – 1920)

Anmerkungen zu (*) und (**):
Im Original steht bei (*): "Higienismo"
Das war eine soziale Bewegung zur Körperhygiene in Spanien im 19. Jahrhundert, wobei es den Begriffauch heute weiterhin, aber mit einer anderen Bedeutung gibt.
Bei (**) steht: "Regeneracionismo"
Das war eine intellektuelle und politische Reformbewegung in Spanien im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert.


Ende des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich sowohl auf dem spanischen Festland als auch auf den Kanarischen Inseln "hygienistische" (***) Ideen, die Gesundheit, frische Luft, eine ausgewogene Ernährung und den direkten Kontakt mit der Natur miteinander verbanden.

Zu (***): im Original "ideas higienistas". Auch das ist im Kontext zu der damaligen Zeit zu verstehen und zwar durchaus mit Parallelen zur damaligen FKK-Bewegung in D.

Im Jahr 1903 wurde in Spanien die Spanische Vegetariergesellschaft gegründet, die als erste naturistische Vereinigung des Landes gilt. Parallel dazu entstand auf den Kanarischen Inseln die Vegetarisch-Naturistische Gesellschaft von Gran Canaria, die ihre Ideen über die Zeitschrift Atlántida verbreitete, die von national und international renommierten Fachleuten verfasst wurde.

Diese ersten Strömungen, beeinflusst von Regeneracionismo, Anarchismus und Naturheilkunde, vertraten die Ansicht, dass Nacktheit nicht unmoralisch sei, sondern eine gesunde Praxis, die Gleichheit und persönliche Freiheit fördere.

Die 1920er Jahre: Kreativität, Experimentierfreude und Expansion (1920–1936)

Die 1920er Jahre waren für den spanischen Naturismus besonders fruchtbar. Auf der Iberischen Halbinsel entstanden Gruppen wie der Gimnos Club de Valencia, die Agrupación Libreculturista Madrileña oder die FKK-Gruppe MARISOL, die Aktivitäten im Freien und naturistische Treffen organisierten. In Katalonien betrieb die von Nicolás Capó gegründete Gesellschaft Partenón sogar einen FKK-Strand in Gavá und ein Zentrum in Vallvidrera.

Auf den Kanarischen Inseln trugen das subtropische Klima und das Leben im Freien dazu bei, dass Freizeit-Nacktheit dort üblicher und weniger umstritten war als in anderen Regionen. Die naturistischen Ideen verbreiteten sich in der Presse, in Gesprächsrunden und kulturellen Kreisen und wurden Teil eines Lebensstils, der Sonne, Meer und Gesundheit schätzte.

Zweite Republik: Sichtbarkeit, Debatte und Spannungen (1931–1936)

Mit dem Beginn der Zweiten Republik gewann der Naturismus an öffentlicher Präsenz. Im Jahr 1931 veröffentlichte sogar die Zeitung ABC einen Artikel, in dem die Bewegung verteidigt wurde.

In Katalonien wurde der Strand Playa del Hombre Muerto zu einem symbolträchtigen Ort, der von Naturisten und LGTBIQ+-Personen frequentiert wurde und als einer der ersten Schwulenstrände der Welt galt.

Diese Öffnung ging jedoch mit Spannungen einher: Es kam zu Festnahmen, Beschlagnahmungen von Zeitschriften und polizeilicher Überwachung, insbesondere in Katalonien und Madrid.

Das Franco-Regime: Verbot und diskreter Widerstand (1939–1975)

Nach dem Bürgerkrieg verbot das Franco-Regime ausdrücklich „jede Form von FKK“ und verschärfte die Zensur 1957 durch ein Rundschreiben.

Dennoch hielten sich sowohl auf dem spanischen Festland als auch auf den Kanarischen Inseln diskrete FKK-Praktiken. Auf den Kanarischen Inseln ermöglichten die isolierte Lage und die Vielzahl abgelegener Buchten vielen Menschen, weiterhin heimlich Nacktheit zu praktizieren.

In den 1960er Jahren begünstigte der aufkommende internationale Tourismus eine zaghafte Wiederbelebung: Europäische Besucher normalisierten die Nacktheit an abgelegenen Stränden, auch wenn diese weiterhin im Verborgenen stattfand.

Demokratischer Übergang: Wiederbelebung und Anerkennung (1975–1990)

Mit dem Tod Francos und dem Beginn der Demokratie erlebte der Naturismus einen starken Aufschwung. Die Abschaffung des Straftatbestands der „öffentlichen Unanständigkeit“ in den Jahren 1988–1989 führte dazu, dass Nacktheit nicht mehr strafrechtlich verfolgt wurde.

In den 80er Jahren festigte sich die Spanische Föderation für Naturismus (FEN), die die moderne Bewegung organisierte und sie mit der Internationalen Föderation für Naturismus verband.

Auf den Kanarischen Inseln fiel dieser Prozess mit dem touristischen Aufschwung zusammen, wodurch sich der Archipel zu einem der wichtigsten FKK-Reiseziele Europas entwickelte, insbesondere auf Fuerteventura, Lanzarote und Gran Canaria.

Der Naturismus heute: Vielfalt, Rechte und Verwurzelung (1990–heute)

Heute ist der Naturismus in Spanien eine vielfältige Bewegung, die naturistisches Wandern, Familienvereine, Aktivismus für körperliche Selbstbestimmung sowie Orte des Zusammenlebens an Stränden und in naturistischen Zentren umfasst.

Die FEN hat öffentliche Initiativen vorangetrieben, wie beispielsweise das Logo der „Nackten Sonne“, das Strände kennzeichnet, an denen Naturismus empfohlen wird, und daran erinnert, dass Nacktheit an allen Stränden des Landes legal ist.

Auf den Kanarischen Inseln halten verschiedene Organisationen diese Praxis am Leben, fördern den Respekt und dokumentieren das FKK-Leben durch Aktivitäten, Treffen und kulturelle Verbreitung. Fachportale heben den Archipel als ideales Reiseziel hervor, aufgrund seines stabilen Klimas, seiner vulkanischen Geografie und der Selbstverständlichkeit, mit der FKK-Anhänger und Nicht-FKK-Anhänger zusammenleben.

Fazit: eine gemeinsame Geschichte von Freiheit und Vielfalt

- Spanien und die Kanarischen Inseln entwickelten schon früh ein naturistisches Denken, das mit Gesundheit, Gleichheit und persönlicher Freiheit verbunden war.
- Die Kanaren waren dank ihrer Vegetarier- und Naturisten-Gesellschaft und dem Einfluss von Atlántida als Vorreiter.
- Die Bewegung widerstand der Unterdrückung unter Franco und erlebte in der Demokratie einen starken Aufschwung.
- Heute ist der Naturismus Teil der pluralistischen spanischen Kultur und fest in der touristischen und sozialen Struktur des kanarischen Archipels verankert.

Am Ende steht folgender Hinweis zur Urheberschaft:
Dieser Artikel wurde von unserer Partnerin Merche Valbuena verfasst. Die Autorin ist für die Originalität des Textes und die Richtigkeit der darin enthaltenen Informationen verantwortlich.

 
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Re: Geschichte des Naturismus in Spanien und auf den Kanaren

Beitrag von Trixi » Do 21. Mai 2026, 01:11

Schön mal wieder von Dir zu hören und zu lesen. :) Danke für den Bericht.

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Re: Geschichte des Naturismus in Spanien und auf den Kanaren

Beitrag von Hannes 2.0 » Do 21. Mai 2026, 01:17

Hallo Hans, vielen Dank dafür! :)


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